Ein seltener Fund


 

Österreichs Rote auf den Weinkarten von New Yorker Top-Restaurants

 

Wir haben ein kleines Experiment zum Thema „Die internationale Position österreichischer Rotweine“ unternommen. Gleich vorweg: Dieses Experiment erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit oder Ausgewogenheit.

Aber es wirft – wie wir am Ergebnis sehen werden – ein bezeichnendes Schlaglicht auf die Frage, wie österreichische Rotweine auf Auslandsmärkten wahrgenommen werden.

Dem österreichischen Grünen Veltliner ist in den letzten Jahren der internationale Durchbruch gelungen, wohl auch, weil er einzigartig ist und nur aus Österreich kommt. Dem Riesling, weil er stilistisch eine klare Alternative zu deutschem Riesling darstellt, der seit Jahrzehnten auf den Weinkarten der Welt zu finden ist.

Wo aber stehen Österreichs Rotweine?

Wir haben uns einen kleinen Ausschnitt der Wirklichkeit angesehen: die Weinkarten von 30 Top-Restaurants in New York, die mit mindestens 16 von 20 Punkten bewertet werden, und dort nach österreichischen Weinen gesucht. Fairerweise wurden von vornherein Sushi- und italienische Restaurants ausgeklammert, da man davon ausgehen kann, dass hier ohnehin keine österreichischen Rotweine zu erwarten wären.

New York ist zwar nicht der Weltmarkt als solcher, doch die Weinszene hier ist durchaus repräsentativ, gibt es doch in New York eine enorm hohe Dichte an klassischen Top-Restaurants, viele Spitzen-Sommeliers, eine hoch entwickelte Koch- und Esskultur und eine unvergleichliche Internationalität.

Außerdem: Wie heißt es doch in Frank Sinatras Hymne auf die Stadt: „If I can make it there, I’ll make it anywhere.“

Auf der Karte des ARTISANAL, das zu den Restaurants mit den 10 besten Weinlisten der Stadt zählt, finden sich einige Grüne Veltliner und Rieslinge, ein Zierfandler/Rotgipfler – und ein Blaufränkisch.

Das ASIATE im Hotel Mandarin Oriental führt 24 österreichische Weißweine (Veltliner, Riesling, Sauvignon) und einen St. Laurent (Christian Fischer).

AUREOLE: Weiß: siehe oben. Rot: Blaufränkisch von Gernot Heinrich, Zweigelt von Umathum

Das CRU bietet auf 68 Seiten Rotweine, darunter zwei Österreicher: Blaufränkisch Goldberg von Prieler, und Pinot Noir von Alphart.

Das ELEVEN MADISON PARK führt auf seiner Weinkarte 1400 Positionen, darunter über 20 österreichische Weißweine (siehe oben) und einen Zweigelt (Gesellmann).

PER SE: 20 österreichische Weiße und folgende Rotweine: Blaufränkisch, Blaufränkisch Alte Reben Lutzmannberg, Blaufränkisch Alte Reben Neckenmarkt von Moric (Roland Velich), weiters: St. Laurent Zagersdorf von Rosi Schuster.

TERROIR WINE BAR: Moric Blaufränkisch

GOTHAM BAR & GRILL: Blaufränkisch/Zweigelt (Kollwentz), St. Laurent (Heinrich bzw. Gebeshuber)

AQUAVIT: Einige Pinot Noirs (z. B. Bründlmayers Cécile), weiters Blaufränkisch (Krutzler bzw. Nittnaus)

DOVETAIL: Blaufränkisch Carnuntum von Dorli Muhr

GORDON RAMSAY AT THE LONDON: Über 600 Positionen, gut ein Dutzend Weiße aus Österreich, aber keine Rotweine.

GRAMERCY TAVERN: Sankt Laurent von Rosi Schuster, Blaufränkisch von Moric, Blaufränkisch von Wenzel.

VERITAL: Ca. 1.000 Weine auf der Karte, darunter Riesling (F. X. Pichler, Nigl), ein Zweigelt  (Hans Schwarz).

WD-50: Gabarinza von Gernot Heinrich

Top-Adressen wie CAFÉ BOULUD, CARLYLE, CRAFT, CORTON, DANIEL, THE MODERN, LA GRENOUILLE, TOCQUEVILLE, UPSTARIS, LE CIRQUE, BLUE HILL, DB BISTRO MODERNE, ESCA, FOUR SEASONS führen keine Rotweine aus Österreich.

Ergebnis unseres kleinen Experiments

• Österreichische Weißweine sind auf New Yorker Weinkarten gut vertreten, wie erwartet vor allem mit Grünen Veltlinern und Rieslingen heimischer Spitzenproduzenten: F. X. Pichler, Knoll, Hirtzberger, Alzinger, Bründlmayer, Nigl, Huber etc.

 • Österreichische Rotweine sind hingegen schwach bis gar nicht vertreten.

Aber wenn, dann mit den typisch österreichischen Sorten Blaufränkisch, St. Laurent und Zweigelt – die es eben sonst nirgends auf der Welt (in ernstzunehmender) Qualität gibt.

Dass wir auf 30 Top-Weinkarten auch die Cuvée Gradenthal von Christian Fischer und die Cuvée Gabarinza von Gernot Heinrich fanden, sind wohl die Ausnahmen, die die Regel zu bestätigen scheinen. Allerdings ist bezeichnend, dass diese beiden Weine unter „Other Varietals“ aufgelistet werden, eben weil sie – zumindest in den Augen eines New Yorker Sommeliers – weder typisch für Österreich noch für eine Rebsorte sind.

Welche Schlüsse kann man daraus ziehen?

1. Möglich, aber eher unwahrscheinlich: New Yorker Sommeliers verstehen die Genialität österreichischer Rotweine nicht und setzen sie deshalb selten bis gar nicht auf ihre Weinkarten.

2. Wahrscheinlicher: Das in den 90er-Jahren einsetzende „österreichische Rotweinwunder“ findet bis heute außerhalb Österreichs nur wenig bis keine Beachtung. Möglicherweise wurde von heimischen Winzern, Journalisten und von patriotisch gesinnten Weintrinkern vor lauter Freude – auch wir können endlich gute Rotweine machen! – übersehen, dass international gesehen auf zugegebenermaßen ganz gut gemachte, im neuen Barrique ausgebaute Cabernet-Merlot-Syrah-Cuvées aus Österreich niemand gewartet hat, die noch dazu einem internationalen Stil-Trend folgten und allenfalls bewiesen, dass wir jetzt auch das können, was etwa die „Super-Tuscans“ 15 bis 20 Jahre vorher schon konnten.

Um die Kopie eines ohnehin schon künstlichen Geschöpfs riss sich weltweit keiner. Neben den altehrwürdigen Burgundern, Bordeaux und Rhône-Weinen wirkten die österreichischen Cuvées wie halbstarke Neuankömmlinge, die ihren Platz in der internationalen Weinszene nicht fanden und bis heute nicht gefunden haben.

3. Wenn man international erfolgreich sein will, muss man mit einzigartigen, unverwechselbaren, unnachahmlichen Weinen auftreten, die eindeutig ihrer Herkunftsregion zuordenbar sind – siehe den Erfolg des Grünen Veltliners und siehe die Beachtung einiger Rotweine, die aus einer ur-typisch österreichischen Sorte produziert werden: Blaufränkisch.

Interessante Weine aus Blaufränkisch:

Muhr – van der Niepoort

Gernot Heinrich

Paul Achs

Hans Nittnaus

Rosi Schuster

Ernst Triebaumer

Moric

Engelbert Prieler

Krutzler

Wachter & Wiesler


3 Antworten zu “Ein seltener Fund”


  1. Sophie sagt:

    Vielleicht ist der erstes Stolperstein schon die Aussprache der Namen Blaufraenkisch und Zweigelt. Hinzu kommt auch noch, dass man schon sehr bewandt in der Weinwelt sein muss, international gesehen, dass man mit beiden Rebsorten etwas anfangen kann. Ich sehe ab und zu immer wieder oesterreichische Rotweine auf Weinkarte vertreten, auch ich nicht so medienpraesenten Weinlokalen. Jedoch habe ich auch da meistens die Erfahrung gemacht, dass mir sehr wenig ueber diese Weine berichtet werden kann. Es sind zu unbekannte Weinsorten und nicht jeder kann sie einordnen. Schade, denn darin wuerde das gleiche Potential, wie in einem Gruenen Veltliner liegen…..

  2. erich sagt:

    hallo sophie, ich glaube wir sollten einen mitarbeiter in NYC installiern !

  3. Sophie sagt:

    :) )))

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