Schreiben & Saufen


 

 

Es gibt mehr trinkende Schriftsteller als schreibende Alkoholiker

„Trinken ist das Laster des Schriftstellers“, sagte der amerikanische Schriftsteller F. Scott Fitzgerald („Der große Gatsby“). Und er wusste, wovon er sprach.

Dass viele berühmte Autoren und Dichter ordentlich getrunken haben, kann kein Zufall sein. Statistiken zufolge sind Schriftsteller nach Barkeepern jene Berufsgruppe, die am häufigsten an Leberzirrhose stirbt.

So waren fünf der sieben US-Nobelpreisträger für Literatur schwere Alkoholiker: Sinclair Lewis, Eugene O’Neill, William Faulkner, John Steinbeck und Ernest Hemingway.

Der Autor Donald W. Goodwin meint in seinem Buch „Alkohol & Autor“, es gäbe einige offensichtliche Parallelen zwischen dem Alkoholiker und dem Schriftsteller. Beide sind Einzelgänger. Beide haben einen Weg gewählt, der ihnen ermöglicht, nicht allein sein zu müssen. Literatur lebt von Phantasie. Alkohol fördert sie.

Nicht umsonst wird der die Gedanken beflügelnde und den flüssigen Schreibstil stimulierende Alkohol auch „Zeilenwasser“ genannt.

Offenbar wird er als Quelle der Inspiration und Kreativität schon seit Anfang der Dichtkunst genutzt: Der Grieche Anakreon (550-495 v. Chr.), noch Jahrhunderte später ein role model für trinkende Dichter, wird gern mit den Worten zitiert: „Es ist viel besser, betrunken am Boden zu liegen als tot.“

Sein Kollege von der schreibenden Zunft der Antike, der Römer Horaz, attackierte sogar die abstinenten Poeten: „Gedichte, die von Wassertrinkern geschrieben wurden, können nicht lange Gefallen erregen.“

Der größte Schriftsteller von allen, Shakespeare, ist zwar nicht bekannt dafür, selbst exzessiv getrunken zu haben, doch hat er mit dem Falstaff den Prototypen des gewitzten Zechers geschaffen, was doch auf eine gewisse Sympathie für geistige Getränke schließen lässt: „Der Wein macht das Gehirn sinnig, schnell und erfinderisch, voll von lebenden, feurigen und ergötzlichen Bildern.“

Der englische Dichter Samuel Taylor Coleridge fand den, einem echten Poeten Ehre machenden, wunderbaren Euphemismus für Alkohol als „Milch des Paradieses“.

Der Franzose Charles Baudelaire forderte zwar: „Berauscht euch mit Wein, mit Versen oder mit Tugend“, hielt sich selbst lieber an den Absinth.

Sein Landsmann Georges Simenon („Maigret“) war, als er in Frankreich lebte, ein mäßiger Trinker. Erst nach seiner Übersiedlung nach Amerika entwickelte er sich zum Alkoholiker, wurde trotzdem 86 Jahre alt.

Anders der Waliser Dylan Thomas (von dem sich später ein Musiker namens Bob Zimmermann den Künstlernamen Dylan ausborgte): Er hatte sich schon mit 40 zu Tode gesoffen und trat mit den Worten ab: „Ich hatte achtzehn volle Whiskeys; ich denke das ist Rekord.“

Von seinem amerikanischen Berufskollegen Edgar Allan Poe hieß es, er sei kein klassischer Alkoholiker gewesen, doch wenn er trank, dann bis zum Exzess. Mit 40 und nach einigen Meisterwerken, wie „Der Rabe“, war Schluss. Poe wurde 1849 tot auf der Straße in Baltimore gefunden.

Der Ire Brendan Behan, einer der bedeutendsten Dramatiker seines Landes und IRA-Aktivist, war nur 41 Jahre alt, als er 1964 alkoholbedingt die Karriere beenden musste. Knapper Nachruf einer irischen Zeitung: „Zu jung, um zu sterben, aber zu betrunken, um zu leben.“

Auf seinen Landsmann James Joyce („Ulysses“) wirkte der Alkohol nicht immer beflügelnd: Er trank lange Zeit exzessiv, ohne viel literarischen Nutzen daraus zu ziehen.

Für andere wieder, wie Ernest Hemingway, war das Hochprozentige eine Dauerinspiration. Er schrieb bis kurz vor seinem Tod mit 60 Jahren viele gute Bücher, wurde aber leider auch depressiv und schoss sich letztendlich den Schädel weg.

Charles Bukowski („Notes of a dirty old man“) meinte, er müsse sich „einen antrinken, um in den Flow zu kommen“, was wohl hieß, dass er ohne ein bestimmtes Quantum nicht fähig war, klar zu denken und fließend zu schreiben. Doch seine Leber war stark. Er wurde 73.

„Sie schreiben nicht weil, sondern obwohl sie trinken“, formulierte einmal die Süddeutsche Zeitung zum Thema Schreiben & Saufen.

Was kann man aus all dem lernen? Das beste Rezept, um trocken zu bleiben ist – haltet Euch vom Schreiben fern!

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2 Antworten zu “Schreiben & Saufen”


  1. forstinger philip sagt:

    Wie kann man nur einen Mörder u. Kriegsverbrecher wie Hemingway idealisieren.
    Wenn man sich so genau mit diesem Herrn Hemingway befasst, wie es hier der Autor tut, sollte auch im Hintergedanken haben, dass er etliche deutsche u. österr. Kriegsgefangene feig von hinten in den Rücken erschossen hat. Nochmals Kriegsgefangene die dein Opa oder meiner gewesen sein kann.
    Mit diesen Taten hat er sich noch lange nach dem Krieg geprahlt. Er hat einmal erwähnt: …..wie reudige Hunde hab ich sie abgeschlachtet!!
    Wenn sie schon so ein Thema aufgegriffen haben, bitte ich Sie diese Zeilen auch zu veröffentlichen.
    Auch die Sonntags-Krone hat vor 3 Jahren von diesen Greueltaten ausfühlich berichtet.
    Für mich ist dieser Mann ein Menschenhasser.

  2. Bernhard sagt:

    Oha, da hat es wohl einen Hemingway-Hasser auf dem falschen Fuß erwischt!

    Den Satz

    “Für andere wieder, wie Ernest Hemingway, war das Hochprozentige eine Dauerinspiration. Er schrieb bis kurz vor seinem Tod mit 60 Jahren viele gute Bücher, wurde aber leider auch depressiv und schoss sich letztendlich den Schädel weg.”

    eine “Idealisierung” zu nennen, ist – gelinde gesagt – eine leichte Übertreibung. Der Satz kommt wohl eher einer nüchternen Faktenfeststellung gleich, wenn dass Wort nüchtern in diesem Zusammenhang erlaubt ist.

    Im Übrigen ersucht der Autor der verblendeten Hemingway-Idealisierung um Nachsicht, dass er es in Bezug auf Seriosität, Ausgewogenheit, Gründlichkeit der Recherche und liberalem Weltbild mit der “Sonntags-Krone” nicht im Geringsten aufnehmen kann.

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