Im Land des Grünen Veltliners hat es der nahezu unbekannte, auf jeden Fall weit unterschätzte Rote Veltliner nicht leicht: höchste Zeit für eine Würdigung!
Wer glaubt, mit dem Grünen Veltliner einen ur-typischen österreichischen Wein im Glas zu haben, sollte seinen Namensvetter, den Roten Veltliner, probieren: Der ist noch “ur-typischer” – und eine rare Besonderheit, die sich mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.
Der Rote Veltliner ist – trotz des irreführenden Namens – kein Rot-, sondern ein Weißwein. Seinen Namen verdankt er der rötlichen Farbe seiner Triebe und Sprossen im Frühjahr und vor allem den im hochreifen Stadium rötlichen Beeren.
Die Rebe ist eine autochthone, also alteingesessene, aus Niederösterreich stammende uralte Sorte, die in Österreich auf nur rund 250 ha kultiviert wird.
Er ist wahrscheinlich noch älter als Österreichs Paradesorte, der Grüne Veltliner (17.000 ha), aber nicht unmittelbar mit diesem verwandt.
Die Rebsorte ist nicht einfach zu bearbeiten: wohl ein Grund für ihre Seltenheit. Sie reift spät, schwankt stark im Ertrag, ist frost- und pilzanfällig – und stellt auch noch hohe Ansprüche an den Standort: Sie liebt warme, südlich orientierte, im Sommer brennheiße Hang- und Kessellagen, am besten auf Lössboden.
Diese Voraussetzungen bietet dem Roten Veltliner keine andere Weinbauregion Österreichs so gut wie die der Wagram (früher Donauland), ein nördlich entlang der Donau verlaufender Hügelzug östlich von Krems.
Alteingessene Wagram-Winzer wie die Familie Kolkmann, die sich vom hohen Arbeitsaufwand mit dem Roten Veltliner nicht abschrecken lassen, die Sorte an den richtigen Platz stellen und sich um sie bemühen, produzieren aus der Sorte charaktervolle, eigenständige Weine mit sehr feiner, teilweise filigraner Aromatik (Karamell, Marzipan …), fruchtig-duftig, feinwürzig und säurebetont – und das zu sensationell günstigen Preisen!

