Willi Sattler versteht die Lage


Der steirische Top-Winzer philosophiert über die Bedeutung der Lage für den Wein und bringt uns dabei in eine prekäre Verkehrssituation.

Besuch bei Willi Sattler am tief verschneiten Sernauberg oberhalb von Gamlitz in der Südsteiermark. Während einer die Nerven bis aufs Zerreißen fordernden Höllenfahrt in Sattlers Landrover durch den friedlichen Schnee der mitunter verdammt steilen Weinberge (mein Kollege vom Bild, der Fotograf Gerd Kressl, war mehrmals hart daran, sich übergeben zu müssen, verbarg seine Übelkeit aber geschickt hinter dem Stativ) sagte der sympathische Winzer zwischen zwei haarsträubenden Lenkmanövern im schönsten steirischen Dialekt, man müsse die „Lage verstehen“, um wirklich gute regionstypische Weine produzieren zu können.

Mit „Lage“ war natürlich nicht die „Situation“ gemeint, sondern der „Boden“ des Weingartens.

Sattler produziert mit dem „Kranachberg“, dessen jungfräuliche Schneedecke wir allradgetrieben soeben pflügten, einen der besten Sauvignons Österreichs – eben auch deshalb, weil er die Böden dieser Spitzen-Weinlage seit über 30 Jahren kennt.

Um die Wichtigkeit dieser Detailkenntnis zu betonen, sagte Sattler sinngemäß: Wenn ich dem Tement seine Weingärten bewirtschaften müsste, würde es trotz meiner Routine viele Jahre dauern, bis ich annähernd so gute Weine herausbrächte wie er. Weil es eben lange dauert, bis man die Lage verstehe.

Wenn Sattler Recht hat, und vieles spricht dafür: Wieviel „Terroir“ kann dann der Wein eines x-beliebigen großen toskanischen Weingutes haben, der von einem „Flying Winemaker“ produziert wird? Versteht jemand, der in der Lage ist, 20 Weingüter gleichzeitig zu betreuen, im Sattler’schen Sinn wirklich „die Lage“?

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